Urban Survival – Hauptgefahr: Menschen!

So sehr mich die Themen um das Überleben in der wilden Natur reizen, so unwahrscheinlich ist es, dass ich wirklich in so einer Extremlage enden werde. Natürlich kann auch auf einer Trekking-Tour viel schief gehen. Doch wer eine Tour ordentlich plant, bleibt vor vielen Gefahren verschont.

Völlig anders ist es mit dem „Überleben in der Stadt“ (Urban Survival).
Ich lebe in der Großstadt. Und weltweit nimmt die Verstädterung zu. Es wird nicht mehr lange dauern und ca. 90% der gesamten Erdbevölkerung wird in Städten wohnen.
Welche Gefahren drohen hier?

Natürlich kann auch eine Stadt von Naturkatastrophen heimgesucht werden. Das ist abhängig vom Ort der Stadt. An der Meeresküste muss mit Fluten gerechnet werden. In Bergtälern mit Lawinen. Und immer mal wieder kann es zu Orkanen kommen.
Doch ich befinde mich in einer deutschen Großstadt ohne Flut- und Lawinengefahr. Und bei Orkanwarnungen bleibe ich halt, wenn möglich, in der schützenden Wohnung.

Meines Erachtens gibt es diese möglichen Hauptgefahren in einer Großstadt:
a) Andere Menschen
b) Stromausfall oder ähnliche technische Aussetzer
c) Epidemien.


Dabei erscheint mir der Punkt „Andere Menschen“ der relevanteste zu sein. Immerhin sind Städte deshalb Städte, weil es dort viele Menschen gibt.
Andere Menschen können grundsätzlich Freund oder Feind sein. Helfer und Gegner.
Doch, wo sich viele Menschen sammeln, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter auch „Feinde“ verbergen.
Das können der Dieb in der U-Bahn sein, der Einbrecher, die Jugendgang, Terroristen, U-Bahnschubser, mafiöse Vereinigungen bis hin zu feindlichen Armeen, die eine Stadt einnehmen wollen. Die Aspekte „Terrorist“ und „Krieg“ lasse ich vorerst beiseite. Sie sind zwar denkbare, aber nicht alltägliche Gefahren. Da begegnen wir wohl eher einer Wildschweinherde im Stadtpark.

Nun gibt es wiederum große Unterschiede zwischen einem Diebstahl und einem U-Bahnschubser. Auch ein Einbruch kann mehr Schaden, psychisch wie physisch, anrichten als ein respektloser Jugendlicher, der sich die Treppe im Kaufhaus hochpöbelt. Deshalb können die verschiedenen Situationen nicht verallgemeinert werden.

Dennoch gibt es allgemeine Prinzipien, die immer sinnig sind.

1. Dein Team
Wen in der Stadt kennst du?
Wem vertraust du?
Bei wem dürftest du spontan übernachten?
Wer würde dir „immer“ helfen?
Wem würdest du entschieden helfen?
Wer ist dein „Stadt-Team“? Wer gehört zu deinem „Urban Tribe“?
Dieses Team ist wie ein kleiner Stamm. Je nach Offenheit deiner Leute kannst du es mit ihnen kommunizieren.
Nicht jeder hat Verständnis für Survival- und Prepperthemen. Es kann genügen, wenn diese Leute in deinem „geheimen“ Notplan auftauchen, ohne selbst davon zu wissen. Perfekt ist es, wenn solche Themen auch offen miteinander besprochen werden können. Darüber kann ja noch mehr Konstruktives geboren werden, z.B. ein Tauschring oder weitergehende Nachbarschaftshilfen. Wer es professionell mag, kann mit dem Team Spezialisierungen angehen, schließlich kann nicht jeder alles. Wer schult sich intensiver im Bereich „Erste Hilfe“? Wer konzentriert sich vor allem auf die Wasserversorgung? Wer lernt mehr über Selbstverteidigung und Fluchtwege? Im schlimmsten Fall wird man all das eines Tages einsetzen müssen. Im besten Fall lernt man dazu und hat Spaß miteinander.
Dieses Team/Netzwerk ist fundamental. Die Legende vom einsamen Einzelkämpfer klingt heroisch, dürfte aber an der Realität vorbeigehen.

2. Deine Wohnung/dein Haus
Wenn ein Profi-Einbrecher rein will, kommt er auch rein. Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz. Aber:
Du kannst es dem Profi-Einbrecher schwerer machen und damit Zeit gewinnen. Zeit, in der er vielleicht entdeckt wird. Und dem Laien-Einbrecher kannst es u.U. sogar unmöglich machen, in deine Bude einzusteigen. Die Gemeinde, der ich angehöre, hatte eine Wohnung gemietet, die zufälligerweise mit einer Art Stahltür versehen war. Es gab dort mehrere Einbruchsversuche. Oft sind die Einbrecher an dieser Tür gescheitert.

Sowohl die Polizei, private Dienste als auch Versicherungen geben über einen guten Schutz Informationen weiter.
Daher an der Stelle nur kurze Hinweise:
In erster Linie müssen die üblichen Einstiege gesichert werden: Eingangstüren und Fenster, ggf. die Kellertür, der Balkon und die Garage.
Vieles ist eine finanzielle Frage.
Man kann sich den „Bunker“ bauen und Panzerglas verwenden. Für mich und Otto Normalverbraucher sind das aber keine realistischen Optionen.
Helfen tun schon Kleinigkeiten wie diese:
– Sind Sicherheitsbeschlag und Schließzylinder an der Tür bündig abgeschlossen?
– Handelt es sich um einen hochwertigen Schließzylinder?
– Wie stabil ist die Tür selbst? Kann sie eingetreten werden oder hält sie solchen Krafteinwirkungen stand?
– Wenn die Tür eine Scheibe hat: sind auch Gittersicherungen angebracht?
– Unbedingt ein Querriegelschloss anbringen!
– Haben die relevanten Fenster Fensteraufhebelsperren?
– Können die Fenstergriffe abgeschlossen werden?
– Sind Gitter vor den Fenstern nötig?
– Schwere Rolläden bieten oft einen wirksamen Schutz.
– Hat die Tür einen Weitwinkelspion und eine Sperrkette?
– Ist eine Gegensprechanlage vorhanden?
– Usw.
Die Einbruchszahlen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. In meiner Nachbarschaft weiß ich von mindestens 2-3 solcher Einbrüche. Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen ist keine Panikmache, sondern eine Frage der Vernunft.

Einbruchsszenarien lassen sich wie wild und verrückt weiterspinnen:
Was tun, wenn man nachts aus dem Bett steigt und plötzlich hört man im Flur den Einbrecher?
Was tun, wenn man dem Einbrecher Auge in Auge gegenübersteht?
Was, wenn es mehrere sind?
Hat man selbst eine Taschenlampe in der Nähe?
Ist es sinnig, sich zu bewaffnen? Wenn ja: Kann man damit wirklich sicher umgehen oder wird die Waffe plötzlich gegen einen selbst gerichtet? Ist die Waffe in greifbarere Nähe? Kindersicher versteckt?
Wo ist das Handy/Telefon? Griffbereit, um die Polizei anzurufen?
Ist es besser, den Einbrecher gewähren zu lassen oder Gegenwehr zu betreiben?
Kann es besser sein, zuerst die eigenen Kinder zu schützen, bevor man zum Agriff übergeht?
Hättest du zumindest einen Fluchtweg? Besser: zwei?

Klar: Wir sind keine Agenten und Sicherheitsprofis. Es wird für uns im Alltag kaum machbar sein, solche Geschehnisse zu trainieren, bis sie in Fleisch und Blut übergegangen sind. Und trotzdem kann es helfen, sich diese Szenarien vorzustellen und mal 2-3 verschiedene Reaktionsmöglichkeiten durchzuspielen. Das Leben spielt oft ganz anders. Geschenkt. Es ist aber fraglich, ob KEINE Vorbereitung besser als EINE Vorbereitung ist.

3. Unterwegs in der Stadt
Außerhalb der eigenen Wohnung sind wir zumeist ungeschützter. Und normalerweise passiert ja auch nichts Schlimmes. Allerdings können wir es im „Draußen-Bereich“ mit allen möglichen Gefahren zu tun haben: von kriminellen Machenschaften bis hin zu „Zufallsdramen“, wie z.B. einem unbeabsichtigten Verkehrsunfall.
Es gibt eine allgemeine Verhaltensregel, die schon viel hilft:
Augen und Ohren aufhalten!
Heutzutage begegnen wir in den Bussen und Bahnen, z.T. sogar auf den Wegen, Menschen, die an ihrem Handy kleben. Oder Musik von ihrem Ipod hören. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden. Wenn es aber vom Geschehen um uns herum ablenkt, kann es sein, dass wir zu spät reagieren. Und ich meine damit nicht wirklich dumme Situationen, wenn man stur auf das Handy starrt und ohne Rücksicht auf das eigene Leben die viel befahrene Straße überquert.
Aber was ist mit diesem Szenario: Man sitzt in der S-Bahn, hört die Musik und spielt zugleich auf dem Handy!? Drei Jugendliche besteigen die Bahn. Man bemerkt es nicht. Sie kommen direkt auf dich zu. Noch immer nichts gemerkt. Und plötzlich bedrängen sie dich. Was wird das bei dir auslösen? Du wirst natürlich überrumpelt sein! Damit hast du nicht gerechnet!
Hättest du Ohren und Augen offen gehalten, hättest du die Gruppe bemerkt. Womöglich hättest du es nicht verhindern können, dass sie dich bedrängen wollen. Aber du hättest vorher schon ihre Blicke und Gestik wahrgenommen. Dein Adrenalin-Spiegel wäre schon leicht gepusht. Dein Körper und deine Seele hätten sich schon auf eine unschöne Auseinandersetzung eingestellt. Das alles ist noch keine Lösung, aber die Angreifer hätten nicht den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Ein Pluspunkt weniger für sie.
Augen und Ohren offen halten!
So wirst du eher Unregelmäßigkeit in Menschengruppen wahrnehmen.
Du wirst eher sehen, an welcher Stelle du die Straßenseite wechseln solltest.

„Unterwegs in der Stadt“: das heißt auch, dass man bestimmte Gegenden zu bestimmten Uhrzeiten meiden sollte. In jeder Großstadt gibt es Ecken, die im Besitz von Drogendealern oder Clans sind. Ein falsches Auftreten und man kann innerhalb weniger Minuten von einem halben Dutzend Schlägertypen umzingelt sein. Die Lösung besteht nicht darin, jetzt den Bruce Lee zu machen. Die Lösung ist die: nicht in diese Gegenden gehen!
Und wenn es sich nicht vermeiden lässt?
Hier in Berlin gibt es immer wieder kriminelle Aktionen im Gebiet der U-Bahnstation Herrmannplatz. Täglich steigen hier Tausende von Menschen in die U-Bahn oder steigen aus. Den allermeisten passiert auch nichts. Das ist der Normalfall. Leider erwischt es zwischendurch doch jemanden. Einer wird auf die Gleise geschubst oder die Treppe hinuntergestoßen. Ein anderer wird beklaut oder öffentlich „abgezogen“. Doof, wenn man aus Versehen das Opfer ist. Natürlich gilt wieder: Augen und Ohren offen halten!
Wenn man die Treppe runter läuft, schadet es nicht, mal kurz nach Hinten zu gucken. Wer läuft rechts und links neben einem? Macht es Sinn, sich einen Meter zu entfernen, etwas schneller oder langsamer zu gehen?
Am U-Bahnsteig muss man nicht direkt an der Kante zu den Gleisen stehen. Lieber zwei, drei Meter davon entfernt sein.
Wo stellt man sich hin? Vielleicht nicht ganz alleine, wo niemand helfen kann. Besser dort, wo ein paar Menschen stehen, die vertrauenserweckend aussehen (man kann sich immer täuschen, aber der Versuch ist es wert).
Wichtig: Das Handy in der Nähe haben! Hast du schonmal geübt, wie schnell du an dein Handy kommst, um eine Notrufnummer zu wählen?

Was ist von Pfefferspray, Messern, Elektroschockern, einem Kubotan oder ähnlichem zu halten?
Tolle Sachen!
Wenn man damit umgehen kann!
Das wiederum heißt: trainieren! Angriffe visualisieren oder mit einem Partner „Trockenübungen“ machen.
Üben heißt: es reicht nicht, einmal für fünf Minuten die Technik ausprobiert zu haben. Üben heißt: regelmäßig trainieren! Mindestens einmal wöchentlich. Ansonsten hat man die Technik nicht intus. Und wenn man die Technik nicht intus hat, kann es sein, dass die Panik im Extremfall stärker als der trainierte Reflex ist.
Wer nicht üben will oder kann, sollte die Finger von diesen Selbstverteidigungswaffen lassen.
Denn jede Waffe kann gegen einen selbst gerichtet werden. Wirklich blöd, wenn man das Geld für das Pfefferspray ausgegeben hat – und die Angreifer dir das Spray entwenden und in dein Gesicht versprühen. Nicht nur schade um das Geld!
Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Waffen, die man in der Wohnung beherbergt, um sich gegen Einbrecher zu verteidigen.
Deshalb würde ich jedem empfehlen, mal einen Grundkurs in Selbstverteidigung / Kampfsport / Kampfkunst mitgemacht zu haben. Mal ein Jahr lang Karate, Boxen, Judo oder ähnliches geübt haben, kann helfen, sich und die eigenen Möglichkeiten realistischer einzuschätzen. Und wer wirklich effektiv vorbereitet sein will, belegt einen Kurs in Wing Tsung, Atika oder Krav Maga.

Und wenn es zum Konflikt kommt?
Wenn man plötzlich von der Gang umrundet ist?
Das ist ein Kapitel für sich: Konfliktmanagement. Dazu später an dieser Stelle mehr.

Zusammenfassend zu „Urban Survival/Prepping“:
Eine der Hauptgefahren ist der andere Mensch.
Was tun?
1. Baue dein Team auf!
2. Sichere deine Wohnung/dein Haus!
3. In der Stadt: Augen und Ohren offen halten! Sichere Wege gehen! Nähe zu vertrauenserweckenden Menschen suchen! Bestimmte Orte meiden! Handy in der Nähe haben! Selbstverteidigungswaffen nur mittragen, wenn man den Umgang übt! Gut: Selbstverteidigungskurse besuchen!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.