Trekking in Schweden: Finnskogleden

Im August 2016 ging es im Trekking-Team in Richtung Schweden. Wie auch bei den letzten Touren sollte es eine möglichst preiswerte Trekking-Tour werden. Begünstigt wurde es dadurch, dass wir ein privates Auto nutzen durften, in das unser 4’er-Team samt der Rucksäcke hineinpasste.

Die Anfahrt verlief mit zwei Fährverbindungen, der Landroute auf Dänemark und schließlich bis in das Värmland hinein. Eine zeitlich herausfordernde Strecke!
Der erste Kontakt mit schwedischem Boden geschah in Helsingborg.

Die Autoroute führte uns ohne Probleme an vielen kleinen Ortschaften, an Wäldern, Seen und einzelnen Häuschen vorbei. Das Ziel war der Grenzort Charlottenberg.

Bei Charlottenberg war es noch vergleichsweise hell und wir hatten den Ehrgeiz, ein kleines Stück nördlicher zu kommen. So fuhren wir nach Morokulien. Als dann aber der Regen einsetzte, war uns klar: ein gepflegter Campingplatz, womöglich mit einer trockenen Hütte, wäre von Vorteil. Doch der Campingplatz vor Ort war schon ziemlich voll und der Preis für die restlichen Plätze erschien uns zu hoch.
So zogen wir es vor, unsere Zelte in der Dunkelheit in einem Waldstück aufzubauen. Es war kalt. Es regnete. Es war dunkel. Die erste Übernachtung in Schweden.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Auto bis nach Mitanderfors. Ein winzig kleiner Ort, mit verstreut liegenden Häusern, an der Grenze zu Norwegen. Bei einem freundlichen Schweden durften wir das Auto abstellen. So viel Vertrauen muss sein. Und dann ging es los! Rucksäcke aufsetzen, alles festziehen, nochmal prüfen, und schließlich schon bei den ersten Schritten spüren: So ein 20-24-Kilo-Rucksack macht keinen Spaß. Aber sei’s drum: es geht ja auch um die Limiterfahrung.
Ungeplant entdeckten wir, dass wir uns von hier aus auf dem Finnskogleden bewegen könnten. Ein Wanderweg, gesamt ca. 240 km lang, zwischen Schweden und Norwegen gelegen. Vor einigen Jahrhunderten haben hier die Waldfinnen gelebt, die ziemlich autark lebten, indem sie Waldstücke rodeten und versuchten, die Gegend fruchtbar zu machen.

Gelesen – beschlossen. Weiter ging es, vorbei am Mitanderfors-See und hinein in den Wald, Richtung Norden.

Auch, wenn wir in den ersten Wanderstunden kaum eine Menschenseele gesehen haben, so gab es zu Beginn doch Reste der Zivilisation zu entdecken. Keine Ahnung, warum sich niemand die Mühe macht, solche Schrott-Bauten zu entfernen. Allerdings geben sie der Wanderschaft auch einen besonderen Charme: das Leben ist hart, manches ist kaputt und unheimlich, aber es muss weiter gehen!

Das Wetter machte am ersten richtigen Wandertag gut mit. Zwischen den Waldstücken gab es weite, abgeholzte Lichtungen. Echt schön, die Weite zu sehen und frische Luft zu atmen. Nur die Schwere des Rucksacks mahnte dazu, weiterzugehen, um ein gutes Nachtlager zu finden.

Immer wieder tauchten Sträucher mit Himbeeren, Blaubeeren und sogar wilden, sehr kleinen Erdbeeren auf. Die schmeckten süß. Echt lecker! Genossen im Vertrauen darauf, dass man sich keinen Fuchsbandwurm damit heranzüchtet.

Vor einem ehemaligen Erd-Kühl-Lager entdeckten wir diesen Knochen. Wem oder was gehörte dieser Knochen? Wir wagten es, in das Erd-Kühl-Lager mit den Taschenlampen hinein zu leuchten, konnten aber kein Lebewesen entdecken. Prinzipiell war es möglich, in der Gegend Füchsen, Wölfen oder sogar Bären zu begegnen, auch, wenn die Wahrscheinlichkeit dafür äußerst gering war. Erst später klärte uns ein anderer Wanderer auf, dass es hier auch Vielfraße gebe. Und diese seien mitunter gefährlicher als Bären und Wölfe, weil sie angriffslustiger sind. Zum Teil reißen sie sogar junge Elche.

Nach dem Abkühlen in einem Waldsee, kamen wir an verschiedenen Häusern vorbei, die irgendwann mal bewohnt waren und nun brüchig herumstanden.

Auf norwegischer Seite trafen wir einen Angestellten des norwegischen Touristenclubs. Er empfahl uns, entweder in Lebiko in einer Wanderhütte des norwegischen Wandervereins zu nächtigen oder auf einem nahegelegenen Hügel. Die zweite Variante bevorzugten wir und waren froh über den nahegelegenen Wasserbrunnen. Das Wasser filterten wir trotzdem, da durchaus kleine „Naturteilchen“ darin herumschwammen. Das abendliche Feuer gab uns genau das Trekking-Gefühl, das ich suchte.

Am nächsten Tag ging es dann auf norwegischer Seite weiter. Das Wetter spielte noch mit.

Und oft genug mussten wir durch relativ feuchtes Gebiet. Morastige Böden und sumpfähnliche Gegenden führten bei mir zu nassen Strümpfen. Der Rucksack war natürlich noch immer nicht bedeutend leichter geworden.

Doch zum späten Nachmittag setzte Regen ein. Sogar ein Gewitter zog heran. Das war klar: Wir brauchten ein einiggermaßen trockenes Lager. Allerdings entdeckten wir auf den nächsten Kilometern keinen Ort, der für vier Personen tauglich war. Zudem waren wir vom Weg abgekommen und mussten uns für einige Meter bergauf durch die Böschung schlagen. Die Stimmung sank, weil kein blauer Himmel in Sicht war, es platterte, kein Lagerplatz zu finden war und der Rucksack schwer war. Eine kleine Hoffnung gab es noch: der Touristen-Mann hatte uns eine Telefonnummer eines Bekannten gegeben, der gelegentlich Wanderer aufnahm. Wir telefonierten mit ihm und tatsächlich bot er an, dass wir in seiner Garage in Oyermoen schlafen dürften. Für einen 10,-€ pro Person. 10,-€ für eine Garage mit hartem Boden und Benzingeruch? Es war trotzdem eine gute Entscheidung: es war trocken, der Norweger machte uns Kaffee und bot uns Kekse an. Wir durften Dusche und Toilette nutzen. Er zeigte uns noch seine kleine Sammlung an alten Opels. Er entpuppte sich als Opel- und Deutschland-Fan und sprach dann sogar ein paar Brocken Deutsch.

Die Klamotten konnten über Nacht und am nächsten Morgen ein wenig trocknen. Da der Finnskogleden kein Rundweg ist (wie so viele Wanderwege in Schweden), war das die Frage: Sollten wir noch weiter in Richtung Norden wandern oder lieber wieder zurück zum Ausgangspunkt? So eine Trekking-Tour hat immer einen sehr persönlichen Charakter. Das Teamgefüge spielt eine Rolle. Gibt es mehr Abenteuerlustige oder mehr Anhänger, die die Errungenschaften der Zivilisation genießen? Aber vor allem die Route und Wetterlage sind relevant: Wo gibt es vermutlich die nächsten Möglichkeiten, die Wasservorräte aufzufüllen? Wo liegen die Straßen und Wege? Wird es wieder regnen? Wie geht es den Körpern? Wir merkten: Die Dauer des Rückweges (es sollte definitiv nicht die gleiche Strecke zurück gehen, sondern wir wollten eine Variante nutzen) konnten wir nur schätzen. Einen Sicherheitspuffer von einem halben bis ganzen Tag planten wir ein. Kurzum: Weiter in Richtung Norden zu wandern, würde uns diesen Puffer nehmen und wir würden dann sehr auf das Tempo drücken müssen. So wählten wir die entspannte Version und entschieden uns für den Rückweg.

Die letzte Nacht konnten wir an einem sehr gepflegten, nicht genutzten Campingplatz verbringen. Lediglich ein paar Wohnmobile standen dort, aber es war kein Mensch zugegen. Bei Varaldskogen gelegen. Es gab einen Lagerfeuerplatz, den kühlen Badesee (Trinkwasser auffüllen) und sogar ein Plumpsklo. Sozusagen eine Deluxe-Version des Draußen-Übernachtens. Und vor allem: es regnete nicht! Die paar Mücken konnte ich gut mit meinem Anti-Mücken-Spray fernhalten.

Der Rückweg war für meine Schultern echt belastend. Der Rucksack war ein wenig leichter geworden. Dennoch schmerzte es im Schulter- und Nackenbereich. Bei meiner Rucksack-Auswahl hatte ich eher auf den Preis geachtet statt darauf, ob er wirklich zu meiner Körperform passt. Eine gute Lektion!

Wir kamen gegen Mittag wieder in Mitandersfors an. Das Auto stand noch. Beim Schweden bedankten wir uns mit einer Flasche Rotwein, die wir für solche Zwecke noch im Auto gehabt hatten. Und ab ging es in Richtung Süden mit einem Zwischenstopp in Jönköping, wo die Studentenverbindungen offenkundig dem Semesterbeginn zelebrierten.

Auf dem Rückweg verbrachten wir zwei Nächte noch in einer Hütte eines Campingplatzes, genossen die schwedischen Sommerabende und ein großes Straßenfest mit Live-Musik.
Zurück mit der Fähre… bis zum nächsten Mal, Schweden!

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