Unsicherheit im Notfall – gestern selbst erlebt!

In einigen Survival-Büchern wird auf die Einstellung des Überlebenskämpfers eingegangen. Wie wichtig es sei, einen kühlen Kopf zu bewahren. Sich einen Überblick über die Gefährdungslage zu verschaffen. Sich bewusst zu werden, dass ein Notfall auch innerlich lähmen kann. Ruhig atmen. Sich Schritt für Schritt in die Gegenwart mit ihrer aktuellen Gefahr und den möglichen Lösungen zu konzentrieren. Mentaler Kampf. Kopfkino.

Ich lese das und denke:
„Is‘ ja klar! Logisch! Mache ich!“

Aber wenn es dann so weit ist, sieht die Welt plötzlich anders aus.
So habe ich es gestern Abend erlebt.

Normalerweise ist in meiner Gegend nicht viel los.
Abgesehen davon, dass vor ein paar Tagen Menschen versucht haben, das Auto eines Nachbarn zu stehlen, auf frischer Tat ertappt wurden und dann über die Zäune der anliegenden Grundstücke verschwunden sind.

Aber gestern Abend hörte ich einen Hund bellen. Nichts ungewöhnliches. Dann Stimmengewirr. Irgendjemand meckerte. Meine Assoziation: „Da regt sich jemand über einen Hund auf.“ Gäste waren bei mir und ich schaute nicht aus dem Fenster, sondern führte das Gespräch weiter. Erster Fehler.

Einige Minuten später gingen die Gäste und ich begleitete sie hinaus.
Ungefähr zwanzig Meter entfernt liefen drei Männer über die Straße. Entfernten sich von uns. Sie wirkten leicht betrunken.

Da sah ich hinter einem Auto, wie zwei Nachbarn sich um jemanden kümmerten, der auf dem Boden lag.
Ich ging schnell hin und sah, dass dort eine Frau lag. Ihr Hund war angeleint und sie hielt die Leine mit „letzter Kraft“. Die Frau lag auf ihrem Rücken und ihr Kopf hing leicht über der Bordsteinkante.
Die Nachbarn erzählten was von „Hingefallen. Feuerwehr ist schon angerufen.“

Ich dachte nur: „‚Man kann doch den Kopf nicht so hängen lassen!‘
Also kniete ich mich hin und versuchte, ihren Kopf zu halten.
Zweiter Fehler.

Denn was lernt man in jedem Erste-Hilfe-Kurs?
Wenn irgendwie möglich, bringe den Verletzten in die stabile Seitenlage!
Stabile Seitenlage!
Zigmal gehört und gelesen. Aber in dem Moment war das Wissen weg.

Plötzlich tauchte ein Mann auf. Er sagte – ebenfalls leicht betrunken (wahrscheinlich einer von den dreien – s.o.), er habe der Frau nichts getan. Er habe sie nicht geschubst. Aber er habe die Feuerwehr schon angerufen. Er wiederholte: „Ich habe der Frau nichts getan!“

Der Nachbar und ich erwiderten:
„Ok, danke! Haben wir verstanden!“

Dann ging der Mann.
Dritter Fehler!

Wir hätten darauf drängen müssen, dass der Mann bleibt.
Er war offenkundig Augenzeuge des Geschehens.
Möglicherweise war er einer derjenigen gewesen, die am lauten Stimmengewirr beteiligt gewesen waren.
Vielleicht ein Konfliktpartner?
Und warum die Betonung, er habe der Frau nichts getan!?
Klang da ein schlechtes Gewissen durch?

Wir hätten sagen müssen: „Danke für die Info. Und Sie bleiben jetzt hier bis die Polizei da ist!“
Oder in ein Gespräch verwickeln, bis die Polizei vor Ort ist.
Als Augenzeuge hätte er wichtige Informationen geben können.

Die Polizei kam auch nach ungefähr 5-10 Minuten. Etwas später der Krankenwagen.

Auf die weiteren Details will ich nicht eingehen.

Ich habe nur gemerkt, dass ein plötzlicher Notfall tatsächlich das existierende Wissen oder nahliegende, logische Verhaltensmaßnahmen lahmlegen kann:
– Bei außergewöhnlichen Lauten nach der Ursache schauen!
– Stabile Seitenlage!
– Zeugen (mögliche Täter) auf legale Weise festhalten, bis die Polizei da ist!

Ich hoffe, dass es der Frau wieder besser geht.
Und ich hoffe, dass ich eine wichtige Lektion gelernt habe.

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