Wandern – Hüttentour in Slowenien – Triglav-Nationalpark

Wie auch in den letzten Jahren stand nun eine Wochentour „Outdoor & Wandern“ an.
Da die letzten beiden Trekkingtouren in etwas kälteren Gefilden stattgefunden hatten (Trekking im Rondane / Trekking auf dem Finnskogleden), war beschlossen worden, eine Wanderung im Süden durchzuführen.
Die Wahl fiel auf den Triglav-Nationalpark in Slowenien.


Vorab habe ich Kartenmaterial besorgt, mir 1-2 Reiseführer zum Triglav-Gebiet zugelegt und die Hütten online gecheckt (das geht u.a. hier: Hütten und Biwaks in den Julischen Alpen). Empfehlenswert ist eine Mitgliedschaft im Slowenischen Alpenverein (Alpine Association of Slovenia). Die Basis-Version kostet nur 25,-€ für das Restjahr. Dafür ist die Übernachtung in vielen Hütten des Vereins fast um die Hälfte preiswerter. So kann eine Übernachtung in einer Hütte durchaus 18,-€ bis etwas über 20,-€ kosten (ohne Verpflegung); im Rahmen der Mitgliedschaft sind es dann nur noch ca. 12,-€ (die Preise variieren von Hütte zu Hütte). Nach 3-4 Übernachtungen hat man die Kosten für die Mitgliedschaft wieder drin. Wichtig: mindestens drei Wochen vor der Wanderung die Mitgliedschaft beantragen, damit der Ausweis rechtzeitig zugeschickt wird!

Wir sind Anfang Juni mit der Hüttenwanderung gestartet.
Das hieß u.a. das:
– Das Wetter kann sehr vom Regen geprägt sein (der Juni ist einer der regenreichsten Monate in Slowenien; hier eine gute Wettervoraussage für das Bergwetter im Triglav-Gebiet: Triglav Weather Forecast).
– In einer Höhe von etwas über 2000 Metern kann noch Schnee liegen und bei ca. 1600 Metern kann es noch einzelne Schneefelder geben.
– Da keine Hauptsaison ist, haben viele Hütten ab 2000 Metern noch nicht geöffnet. Einige haben einen Winterraum (unbeheizt). Es empfiehlt sich, sofern man nicht von Juli bis September wandert, die Hütten vorab anzuschreiben und nach den Öffnungszeiten zu fragen (wichtiger Hinweis: Auf der Seite des slowenischen Alpenvereins sind zwar die Öffnungszeiten der Hütten monatsweise angegeben (grüne Markierung), aber idR wird kein exaktes Datum genannt. So kann es sein, dass eine Hütte laut Internetseite im Juni geöffnet hat, konkret aber erst am 17.Juni öffnet).

Mit dem Taxi ließen wir uns von Villach (Österreich) in das Planica-Tal fahren. Kostenpunkt: 60,-€.
Wahlweise hätte man die Strecke über den Wurzenpass wandern können, aber diese Zeit wollten wir lieber im Triglav-Nationalpark verbringen. Es gibt auch eine Bahnverbindung in die größeren Städte Sloweniens, allerdings muss man von dort ebenfalls irgendwie in das Triglav-Gebiet gelangen. Außerhalb der Hauptsaison fahren oft keine Busse in die Region, weshalb als letzte Möglichkeit noch die Anfahrt mit dem eigenen Auto geblieben wäre.

Bei gutem Wetter gelangten wir schnell zur ersten Hütte. Wir waren die einzigen Übernachtungsgäste (wie in den meisten Hütten unserer Wandertour) und bekamen ein 4-Bett-Zimmer. Die geöffneten Hütten sind schlicht eingerichtet. Durchgelegene Matratzen sind normal. Ebenso gibt es Schlafräume für größere Gruppen. Unsere Hütten hatten alle fließend Wasser, aber nicht alle verfügten über eine Dusche bzw. nicht immer über warmes Wasser. Viele Hüttenpächter sprechen Deutsch und/oder Englisch. Und man bekommt immer Essen und Trinken. Die Kosten dafür sind human. So kann man für ca. 7,-€ bis 10,-€ durchaus satt und getränkt werden.


In der Nähe befand sich ein Wasserfall, den wir vor unserem Abendessen besichtigten, und begegneten auf dem Rückweg jungem Wild.


Am nächsten Tag war es von der regnerischen Nacht noch feucht, aber nach und nach gewannen Wärme und Trockenheit die Oberhand. Was aber viel herausfordernder war, war der erste Abschnitt der Wanderung. Was auf der Wanderkarte als normaler Wanderweg gekennzeichnet ist, ist nicht normal in meinem Sinne! Wege, die nur einen Meter breit sind und recht nahe am Abgrund vorbeiführen oder ziemlich steile Schrägen, die man mitunter nur auf allen Vieren oder mit viel Gleichgewichtssinn überstehen kann, können laut Karte noch als „normal“ gelten. Da ich nicht wirklich alpine Erfahrungen hatte, war das für mich echt krass. Steine, die unter meinem Gewicht wegrutschen, und unter mir geht es locker 50 Meter in die Tiefe. Blöd, dass ich meine Trekking-Stöcke aus Gewichtsersparnisgründen zuhause gelassen hatte!




Das Wetter war nach wie vor bescheiden und die Sicht beschränkt.



Wir kamen am Vršič-Pass vorbei und wanderten weiter in das Tal runter, in Richtung Soca.
Unterwegs hatten wir im Waldstück einen Abzweig verpasst und irrten dann mit Kompass umher, bis wir wieder auf den richtigen Wanderweg stießen. Zwischendurch wurde Essen gemacht. So kamen wir sicher an der zweiten Hütte an.





Der folgende Tag begann metereologisch freundlich. Wir machten einen Abstecher zu „Mlinarica„, einer Schlucht, und liefen dann über Trenta und Soce am Fluss-Tal Soca entlang. Allerdings öffneten sich die Schleusen des Himmels und es regnete, donnerte und blitzte. Den ganzen Tag und die ganze Nacht lang! Wir wurden pitschenass. Manche Wandertools (Rucksack, Jacke) wurden entgegen der Herstellerangaben durchnässt. Ich lief irgendwann mit meinen Socken im Wasser, das sich in den Schuhen gesammelt hatte. Insgesamt 25 Kilometer betrug die Tagesstrecke. Kein Wunder, dass es Blasen an den Füßen gab. Glücklicherweise hatte unsere Zielhütte im Lepena-Tal seit zwei Tagen geöffnet. Die Wirtin wirkte fast überfordert mit der Anwesenheit der ersten Wandergäste. Absolut gut, dass wir unsere Kleindungsstücke am Ofen trocknen konnten.





Ursprünglich hatten wir überlegt, von dort aus eine Gebirgsüberquerung zu machen. Mindestens acht Stunden quer rüber, auf die andere Seite des Gebirges. Doch aufgrund des Regens verabschiedeten wir uns von der Idee. Da wir nicht noch einen Tag auf der Hütte bleiben wollten und nicht wieder vom Regen erweicht werden wollten, entschlossen wir uns schweren Herzens, ein Taxi zu bestellen, das uns wieder auf den Vršič-Pass bringen sollte. Die dortige Hütte erschien uns als ein guter Ausgangspunkt für weitere Wanderungen im Gebirge. Taxi-Kostenpunkt: 80,-€! Alter Schwede! Immerhin konnten wir den Preis durch Vier teilen.

Das Wetter war an diesem Tag nicht wesentlich besser, weshalb wir nur für eine Stunde wandern waren. Die Trockenheit unserer Schuhe hatte oberste Priorität. Alles da draußen war wolkenverhangen und regnerisch.


Was für ein tolles Bild, als wir am nächsten Tag einen blauen Himmel sahen und die Berge so klar wie zuvor nicht.

Die erste Tour vomneuen Stützpunkt sollten auf den Mojstrovka gehen. Es gibt zwei Zugangsmöglichkeiten, wobei wir nicht wussten, dass die gepunkteten Linien auf meiner Wanderkarte vom Triglav-Gebiet „Klettersteig“ bedeuten (sie sind in der Legende immerhin als „sehr schwierig“ betitelt). Auf der Nordseite verliefen wir uns ein Mini-Stück, indem wir unnötigerweise ein Schneefeld durchquerten bzw. unten an dem Feld vorbeikrabbelten. Als wir bemerkten, dass wir ca. 100 Meter zu weit gelaufen waren, gingen wir zurück. Und kaum eine Minute später lösten sich Steine vom Felsen und polterten über die Stelle, wo wir eben noch gewesen waren. Ein Bekannter von mir war vor zwei Wochen durch einen Steinschlag in den Alpen getötet worden. Das war kein Spaß. Gott sei Dank krachte der größte Stein ungefähr fünf Meter von uns entfernt vorbei und die kleineren Steine wurde weitgehend durch das Schneefeld gestoppt. Wenn solche Steine auf einen zufliegen, dann freundet man sich innerhalb von einer Sekunde mit der Vorstellung des eigenen Ablebens an. Als einige dieser Steine 1-2 Meter vor mir stoppten, dachte ich, dass Gott Seine schützende Hand vor uns gehalten hatte.





Grund genug, dass ich mit keinem Moment überlegte, ob ich nicht doch den Klettersteig am Mojstrovka gehen sollte. Trotzdem ließen sich zwei aus unserer Truppe nicht davon abbringen, einer italienischen Profi-Klettermannschaft in den Steig zu folgen. Echte Abenteurer! Respekt! (Hier Video-Eindrücke vom Steig – nicht von uns gemacht).


Ein anderer Kollege und ich wollten die Kletterer dann auf der anderen Seite des Berges empfangen. Da wir aber wesentlich früher auf der anderen Seite angekommen waren und ihr Trip sich oben noch hinzog, machten wir nur einige Fotos vom Wanderweg auf der Westseite.


Am nächsten Tag lauerte ein weiteres Wanderabenteuer auf uns. Ziel sollte der Prisojnik sein. Schon aus weiter Sicht wirkte der erste Abschnitt respekteinflössend auf mich (ich bin leider höhenangstgeprägt).  Vorher noch frühstücken an einem alten Flakgeschützstand.
Tatsächlich war der „normale“ Weg zum Teil schmal, ging dann mit steilen Aufstiegen weiter. Dort spürte ich eine Angst, die noch ungefährlich war, aber von der ich wusste, dass sie bleiben würde. Ohne Trekking-Stöcke, mit Schuhen, die kein gutes Profil für Geröll haben und auf Wegen entlang, die manchmal nur einen Meter Breite hatten, war mir nicht nach Risikosteigerung zumute. Ich brach mit meinen „Höhenangst-Kollegen“ ab und die beiden anderen stiegen weiter.






Nach der letzten Nacht auf der Hütte ging es dann zu Fuß nach Kranjska Gora, ca. 14km entfernt. Die Heimfahrt wartete auf uns. Und trotz Regenansage blieb es fast vollständig trocken. Vorbei an einer russisch-orthodoxen Kapelle, im Gedenken an die russischen Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg gebaut; vorbei an einer Hütte eines echten Hirten; schließlich direkt in den Ort rein.






Meine Folgerungen für diese Tour:
– Der Triglav-Nationalpark ist landschaftlich wunderschön. Ich könnte stundenlang in die Weite schauen und die Majestät der Berge betrachten.
– In den Talregionen gibt es etliche familienfreundliche Wege, aber im Gebirge selbst sollte man keine Höhenangst haben, Steigungen konditionell gut meistern können und wissen, dass es auch an herausfordernden Stellen keine bis wenig Sicherungen gibt.
– Wettermäßig sollte man – zumindest im Juni – auf alle Szenarien eingestellt sein. An einem Abend hatte es sogar geschneit (Höhe: ca. 1600 Meter).
– Eine Hüttentour ist nicht nur wegen der Übernachtungskosten teurer als eine reine Trekking-Tour, bei der man mit dem Zelt unterwegs ist. Die Verführung ist groß, dann nicht das eigene Fertigessen zu futtern, sondern sich was aus der Küche zu bestellen und all das, was dem Gaumen weiterhin Freude bereitet.
– Noch ist diese Region nicht so touristisch erschlossen wie viele ähnliche Gegenden in Österreich oder Bayern. Nicht unbedingt ein Geheimtipp, aber wer’s rustikal mag, ist hier richtig.

Weitere Links zum Thema:
Hütten im Triglav-Nationalpark
Nationalpark Triglav
Meine Wanderkarte vom Triglav-Gebiet (1:25.000) – wohlgemerkt: ein „normaler“ Wanderweg kann durchaus sehr anspruchsvoll sein; entsprechend die Legende lesen!
– Wer vorab seine Wanderroute online planen will: Wandermap
Hüttenverzeichnis 2017 – Triglav Nationalpark: Diese Hüttenliste habe ich für unsere Tour erstellt; zT mit konkreten Öffnungszeiten, Anzahl der Betten, Längen- und Breitengrad für GPS… nicht perfekt, aber ein Anfang.
Packliste Hüttentour Slowenien / Triglav: Jeder hat an die eigene Tour auch eigene Ansprüche. Ich würde rückblickend nicht die Isomatte mitnehmen (war für die Winterräume gedacht); Handschuhe und Mütze waren auch nicht nötig; lange Unterhose ebenso nicht: wer nur auf den Hütten essen will, braucht natürlich nicht so viel Fertigfraß; die Entkeimungssachen und den LifeStraw-Filter habe ich auch nicht gebraucht, da das Trinkwasser von den Hütten genommen werden konnte oder aus klaren Gebirgsquellen; und der Biwaksack war auch entbehrlich. Dafür hätte ich definitiv Trekking-Stücke eingepackt und eine Regenhose.

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