Trekking-Tour in Jotunheimen, Norwegen

Dieses Jahr war es wieder so weit:
Endlich wieder konnte es auf Trekking-Tour nach Norwegen gehen! Ich liebe diese raue Landschaft mit dem Jedermannsrecht: grundsätzlich darf überall gezeltet werden und mitunter sogar ein Lagerfeuer entzündet werden. Abgesehen davon kann das Wasser, insbesondere in Naturschutzgebieten, eigentlich ungefiltert getrunken werden.

Am schnellsten und vergleichsweise preiswert landeten wir mit dem Flugzeug bei Oslo. Gleich ging es weiter mit dem Bus zur Bus-Zentrale in Oslo. Es dauerte nicht lange und wir stiegen in den Bus, der uns in den Jotunheimen-Nationalpark („Heim der Riesen“) bringen sollte. Ich hatte vorab lange recherchiert und war verwundert, dass es gar nicht so viele Busse gibt, die Jotunheimen anfahren – und das auch eher selten. Umso wichtiger war es, dass wir den Bus rechtzeitig erreichen.

Vorher galt es wie immer die Frage zu klären:
Mit welchem Brennstoff wollen wir unsere Trekking-Mahlzeiten aufwärmen? Und woher bekommen wir ihn?
Um das gleich zu beantworten: Die Hütte vom Norwegischen Wanderverein in Gjendesheim/Jotunheimen hatte alles. Dort kauften wir uns eine große Gaskartusche. Reichte für vier gestandene Männer und für locker 4-5 Tage.

Zwischendurch mussten wir den Bus in Fagernes einmal wechseln. Das war fahrplanmäßig so vorgesehen. War insofern hilfreich, dass ich nicht die Bus-Toilette nutzen musste, sondern am Pausenort ein WC besuchen konnte.

Aber nach vielen Stunden waren wir endlich in Jotunheimen-Gjendesheim angekommen!
Allein dieser Blick entlohnte für die lange Anfahrt.

Gjendesheim – Trekking Jotunheimen

Wir berieten uns kurz über die erste Teilstrecke. Wichtig war uns, eine Fläche für unsere Zeltheringe zu finden – und natürlich brauchten wir am nächsten Tag frisches Wasser. So erwartete uns der erste Aufstieg. Nachdem wir stundenlang im Flugzeug und in den Bussen gesessen hatten, war das durchaus ein ungewohntes Gefühl: Wandern mit 19-20 Kilo Gepäck auf dem Rücken.

Trekking – Wandern in Jotunheimen

Zwischendurch mal eine Pause einlegen und den Ausblick genießen. Gut, dass das Wetter mitspielte!

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Der erste Tag war geschafft und der Zeltplatz gefunden! Mücken wollten uns quälen, weshalb wir uns recht schnell in die Zelte zurückzogen.

Am nächsten Tag ging es weiter – bei strahlendem Sonnenschein! So durfte es weitergehen!
Und hier eine wunderbare Möglichkeit, um Wasser zu tanken (passende Trinkflaschen oder Trinkblasen kannst du hier finden: Trekking-Trinkflaschen-Test).

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Reizvoll sind die dann eher robusten Brückenkonstruktionen der Norweger. Wacklig, aber alles okay!

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Und diese Aussichten im Jotunheimen-Nationalpark sprechen für sich:

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Doch wie soll es anders sein in Norwegen? Natürlich lauern Steine all überall! Stundenlanges Laufen über Geröll. Trekking in Jotunheimen heißt „Steinläufer“ sein.

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Um dann über den Bergkamm zu kommen, musste noch ein kleines Schneefeld überwunden werden. Bisher hatte ich meine Touren immer ohne Trekking-Stöcke absolviert. Aber dieses Mal wusste ich es: wenn es bergauf und bergab geht, über Steine und Schnee – dann gehören Trekking-Stöcke zur Ausrüstung! Und hier halfen sie mir, die Schneefläche vor mir vorsichtig zu testen und dann Schritt für Schritt voranzugehen.

Am Abend regnete es dann „endlich“. Umso schöner, dass es am nächsten Tag wieder etwas blauen Himmel gab. Wenigstens für wenige Stunden, so dass wir eine kleine Pause in der wärmenden Sonne machen konnten und unsere Wasserbehälter auffüllen konnten.

Es dauerte nicht lange, und die dicken Wolken zogen heran. Bald würde es wieder regnen.

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Wieder ging es längere Zeit durch Starkregen und Wind. Man trottet vor sich hin und ergibt sich seinem Wander-Schicksal. Aber dann hörte der Regen wieder auf. Gerade rechtzeitig, damit wir unsere Zelte aufbauen konnten.

Auch der nächste Tag war wechselhaft. Und es ging wieder ein paar Höhenmeter hoch. Wir wanderten in Richtung „Gjende“, dem See, der zu Fuße des Besseggen („Sensengrat“) liegt. Hoch, und dann wieder runter. Irgendwann freuen sich die Füße auf die Ruhezeit!

Der Regen kam zurück. Ungefähr einen Kilometer von der Wanderhütte Memurubu entfernt fanden wir unseren nächsten Lagerplatz. Einer unserer Wanderfreunde hatte seine eigene Tarp-Konstruktion dabei. Bei diesem Dauerregen floss es irgendwann auch durch die Nähte des Tarps. Aber der Vorteil des Tarps hatte sich auf der ganzen Wanderung bezahlt gemacht: es diente uns oft als abendlicher Lagerplatz. Etwas windgeschützter und regengeschützter noch einmal zusammen sitzen und uns an der Gaskartusche wärmen. 🙂

Meine aufblasbare Schlafmatte war zwar bequemer als normale (dünne) Isomatten – und weniger schwer als selbstaufblasbare Matten, aber es war eben keine Isomatte. Die Kälte kroch vom Erdboden hinauf und ließ mich nachts frieren. Mal wieder war die Rettungsdecke die Lösung: mit dieser umwickelte ich die Matte. Und siehe da: mir ging es schon viel besser!

Für den nächsten Tag war nicht nur Regen vorhergesagt, sondern auch Gewitter. Das reichte uns! Wir marschierten zur Memurubu-Hütte und checkten ein. Ein 6-Mann-Zimmer, hier für uns 4 Männer. Pro Person ca. 24,-€. Das war okay. Und vor allem besser als draußen auf ein Gewitter zu warten. In der Hütte konnten wir duschen und uns ein Bier gönnen.

Das Wetter-Timing war dann doch perfekt. Am letzten Wandertag schien die Sonne. Der Regen war weit weg. Einer von uns hatte schon seit längerem Knie-Probleme, hatte sich aber tapfer geschlagen. Doch nun nutzte er verständlicherweise die Chance, mit der kleinen Fähre und dem größten Teil unseres Gepäcks zurück nach Gjendesheim zu fahren. Der Rest von uns wollte den Besseggen erklimmen.

Trekking Jotunheimen
Trekking Jotunheimen

Vor der Bessegen-Tour hatte ich Respekt. Ich habe mit der Höhenangst zu kämpfen. Deshalb hatte ich mich vorab intensiv mit der möglichen Herausforderung des Besseggen auseinandergesetzt. Im Internet hatte ich verschiedene Berichte gelesen: von Wanderern, die sich einfach über die grandiose Aussicht auf dem Besseggen freuten. Über das massenhafte Touri-Phänomen, wonach jeder Norweger mindestens einmal im Leben den Besseggen erklommen haben muss. Bis hin zu Erzählungen, wonach andere Höhenangstgeplagte ihre Tour vorzeitig abgebrochen hatten oder in Einzelfällen sogar von Rettungskräften abgeholt werden mussten. Was würde mich erwarten?
Erstmal weitere intensive Bilder…

Nun sah ich es mit eigenen Augen:
Menschen – fast jeden Alters und fast jeden Fitness-Grades – wollten auf den Besseggen hinauf. Wie kleine Ameisen krabbelten sie weiter und weiter. Und wir reihten uns ein.


Mit Kindern und mit Hunden (Hunde mitzunehmen… davon würde ich echt abraten!).

Ich schaffte es. Es gab 1-2 Stellen, die etwas steiler und leicht ausgesetzt waren. Mir half das:
Ruhig atmen.
Die Gedanken auf das Atmen (und bei mir das Beten) richten.
Immer nur auf den nächsten Schritt achten.
Nicht in die Weite und Tiefe schauen, sondern nur auf den Fels vor mir.
Und hinter mir lief einer meiner Trekking-Freunde, um mir zur Not Mut zu machen (mich zur Not aufzufangen, hätte eher nicht geklappt).
Im Rückblick würde ich es nochmal wagen.

Spannend wurde es nochmal beim Abstieg, kurz vor Gjendesheim. An einer Stelle war es so steil, dass in den Felsen eine Eisenkette geschlagen war, um sich daran festhalten zu können. Die Steine waren rutschig und wenige Meter neben uns ging es tief bergab. Ich kam tatsächlich ein wenig in das Rutschen. Der lange Tag, der Aufstieg, mein Restgepäck… das hatte mich ermüdet. Aber wie hier zu lesen ist: ich habe es überlebt.

Bei Gjendesheim hatte unser Schiffsfahrer einen passenden Zeltplatz ausfindig gemacht. Als mein Zelt aufgebaut war, gönnte ich mir in der nahegelegenden Hütte noch eine Fjell-Pizza und Bier. Was für ein Luxus!

Am Abreisetag beehrten uns noch ein paar Schafe und suchten Futter in der Tüte mit den selbstgemachten Müsliriegeln.

Wie immer: eine starke Trekking-Tour!

Hier findest du meine persönliche Empfehlung für eine ordentliche Trekking-Ausrüstung!

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.